Das Stadtarchiv Nürnberg, das Museum Tucherschloss und das Germanische Nationalmuseum verwahren als Leihgabe der Tucher’schen Kulturstiftung das umfangreiche Familienarchiv und die Kunstgegenstände der Tucher. In der ehemaligen Reichsstadt Nürnberg nahm diese Patrizierfamilie seit dem 14. Jahrhundert eine herausragende Rolle ein. Bis heute blühen die beiden Hauptlinien des Geschlechts, wobei die Ältere Linie auf Hans II. (gest. 1449), die Jüngere auf Endres I. (gest. 1440) zurückgehen.

Eine Sammlung erzählt Geschichte

Für beide Linien wurden eigene Archive geführt und zusätzlich ein Archiv für das Gesamtgeschlecht. Somit lässt sich die Geschichte der Tucher nahezu lückenlos nachvollziehen.

Hervorzuheben sind die Handschriften der Tucher, vor allem zur Pilgerreise von Hans VI. (gest. 1491) und zur Genealogie der Familie mit den Vorstufen zum Großen Tucherbuch. Mit dieser illuminierten Prunkhandschrift verwahrt das Stadtarchiv das kostbarste Kulturgut der Familie Tucher.

Zu den jüngsten Leihgaben zählen das Archiv des Leitheimer Zweiges der Jüngeren Linie mit einem großen Bestand an Briefen des 18. und 19. Jahrhunderts und die Sammlung an Porträtfotografien des 19. und 20. Jahrhunderts.

Das Inventar im Museum Tucherschloss, das von den Museen der Stadt Nürnberg im ehemaligen Gartenanwesen der Familie betrieben wird, bildet das Herzstück der Bestände. Aus der repräsentativen Einrichtung des Patrizierhaushaltes, der alle Gattungen an Kunst und Kunsthandwerk vom 15. bis zum 19. Jahrhundert umfasst, ragen Werke heraus, die eng mit der Familiengeschichte verknüpft sind.

Stellvertretend für die umfangreiche Porträtsammlung der Tucher seien das Bildnis des berühmten Jerusalempilgers Hans VI. Tucher (1428–1491) aus der Werkstatt Michael Wolgemuts und das zweiteilige Ehepaarbildnis von Hans Schäufelein genannt.

Aus dem Bereich des Kunsthandwerkes sind die Arbeiten von Wenzel Jamnitzer hervorzuheben: ein Doppelpokal, der 1564 ein Hochzeitsgeschenk von Linhart Tucher (1487–1568) an seinen Sohn Herdegen IV. war, sowie ein 1553–1562 entstandenes, achtteiliges Prunkservice. Dieses Ensemble (sog. Limoges-Service) gilt in seiner Gattung als einzigartig.