Eines der bedeutendsten Mitglieder der Familie Tucher war der Sohn von Anton II., Linhart II. Tucher (1487–1568). Die "Tucherisch Compagnia", die Familienfirma, leitete Linhart seit etwa 1507; zunächst zusammen mit einigen Vettern, später mit seinem Vetter Lorenz II., dem Erbauer des Tucherschlösschens.

Die Zeit unter der Firmenleitung Linharts gilt als die erfolgreichste in der Geschichte des Unterneh-mens. Die Firma handelte europaweit mit verschie-denen Gütern – die großen Gewinne erzielte sie haupt-sächlich im Safranhandel. Die Gewinne wurden so-wohl wieder in der Firma angelegt als auch zum Ankauf von Landgütern und Kunstwerken verwendet. Besonders beeindruckende Beispiele stellen das sogenannte Tucher’sche Tafelservice und zwei Hochzeitspokale dar.

Die Ära Linhart Tucher

Linhart hatte, seit 1529 im Inneren Rat, großen Einfluss auf die damalige Politik Nürnbergs genommen. Seit 1533 gehörte Linhart dem Septemvirat an, dem eigentlichen Exekutivgremium des Rates. Ab 1536 war er 2. Losunger und einer der Drei Obersten Hauptleute, wovon die Inschrift einer Fahnentruhe berichtet. Als 1. Losunger (Kämmerer) erhielt er seit 1544 direkten Einblick in sämtliche diplomatische und vor allem auch finanzielle Interna der Stadt. Über zwei Jahrzehnte in dieser Position sollte er deren weiteres Geschick prägen.

 

Das sogenannte Tucherservice ist eines der bedeutendsten Ensembles an Emaillekunst aus der Werkstatt des Pierre Reymond in Limoges. Es besteht aus acht Gefäßen: einem mit 1558 datierten Becken, einer zugehörigen Kanne – mit 1562 später datiert – sowie aus vier Tazzen (flache Schalen) und zwei Deckelschalen. Die Silbermontierungen der Kanne weisen die Marken Wenzel Jamnitzers auf, dem wichtigsten deutschen Goldschmied seiner Zeit.