Veranstalter: Tucher Kulturstiftung

Veranstaltungsort: Tucher Kulturstiftung, Schloss Schoppershof, Elbinger Str. 20, 90491 Nürnberg

Organisation: Florian Abe (Tucher Kulturstiftung) und Kerstin Kaiser-Reissing (Universität Göttingen)

Die Tucher von Simmelsdorf stellten seit dem ausgehenden Mittelalter bis zur Auflösung des Heiligen Römischen Reiches 1806 eine der bedeutendsten Patrizierfamilien der Stadt Nürnberg dar, deren Mitglieder auch nach Ende der reichsstädtischen Zeit einflussreiche Positionen besetzten. Zu Wohlstand und Ansehen kamen sie durch wirtschaftliches Geschick im Handel und die fast durchgängige Teilhabe am Stadtregiment. Bereits ab dem 15. Jahrhundert lassen sich Ansätze spezifischer Legitimationsprozesse bis hin zu einem adeligen Selbstverständnis nachweisen, die gesellschaftlichen Stand und familiäre Tradition nach Innen wie Außen bekräftigen sollten. Der Workshop lädt dazu ein, diese Prozesse und Strategien aus verschiedenen wissenschaftlichen Blickwinkeln zu betrachten.

Sinnbildlich hierfür steht der Wahlspruch »sincere et constanter« (dt. aufrichtig und standhaft), den Mitglieder der Familie Tucher spätestens seit dem 19. Jahrhundert nutzten. In ihm konzentrieren sich Wertevorstellungen, die bereits in der Erläuterung des Familien-Wappens im Großen Tucherbuch im 16. Jahrhundert angelegt sind.

Ziel des Workshops ist es, Strategien der Identitäts- und Traditionsbildung der Familie Tucher von Simmelsdorf in ihrer materiellen und räumlichen Gebundenheit nachzuvollziehen und so die Facetten der dynastischen und ökonomischen Repräsentation einer Nürnberger Patrizierfamilie exemplarisch offenzulegen.

 

Programm

13:00–13:10
Begrüßung & Einführung
Florian Abe & Kerstin Kaiser-Reissing

Session 1

13:10–13:40
Gedächtnis, Tod und Begräbnis. Memorialpraktiken der Familie Tucher in Spätmittelalter und Früher Neuzeit
Antonia Landois (Nürnberg)

13:40–14:10
Kuratiertes Gedächtnis. Inszenierung des Tucher’schen Stiftungskomplexes nach der Reformation
Kerstin Kaiser-Reissing (Göttingen)

14:10–14:40
Familiäre Öffentlichkeit im Privaten. Literarisierung, Selbstdeutung und dynastische Identität im Briefcorpus der Tucher von Simmelsdorf
Christian Kuhn (Bamberg)

14:40–15:10
Pause (30 Minuten)

Session 2

15:10–15:40
Personelle Zusammensetzung und familienpolitische Strategien der Tucherschen Handelsgesellschaft (ca. 1520–1568)
Max-Quentin Bischoff (Mannheim)

15:40–16:10
Das Tucher’sche Kochbuch als Vehikel weiblicher Gedächtnisbildung
Matthias Kirchhoff (Stuttgart)

16:10–16:40
Das Fremde im Eigenen? Alterität und Identität im Tucher Wappen
Eleonora Grammatikou (Bonn)

16:40–17:00
Pause (20 Minuten)

Session 3

17:00–17:30
»Aufrichtig und Standhaft«. Der Wahlspruch der Tucher zwischen Familien-Wappen und Rotem Adlerorden
Florian Abe (Nürnberg)

17:30–18:00
Das Nürnberger Tucherschloss. Vom repräsentativen Gartenrefugium und privaten Sammlungsort zum öffentlichen Museum
Ulrike Berninger (Nürnberg)

18:00–18:20
Gemeinsame Abschlussdiskussion / Wrap-up